Das geht ganz schön in die Arme – Workshops in Zusammenarbeit mit den Ortsvereinen

 

Von Andreas Müller

Die achtjährige Hannah Lemper sitzt im Rollstuhl und versucht, über eine Bodenschwelle zu fahren. Geht nicht. Also rückwärts. Mehrmals bremst der Rollstuhl an dem Hindernis ab. Mit enormer Kraftanstrengung gelingt es dem Mädchen schließlich, die Hürde zu überwinden. Ihre Schulkameradin Lina Jung (9 Jahre) schiebt einen Rollator vor sich her. Die Kinder versuchen, durch einen Parcours mit Hütchen zu fahren, ohne diese umzuwerfen. Die Übungen sind Teil eines Workshops während einer Projektwoche der Merenberger Albert-Wagner-Schule. Die Idee dazu hatte Schulleiterin Eva Schneider. „In den meisten Schulen geht es bei Projektwochen überwiegend um Sport“, erzählt sie. „Ich wollte mal etwas Neues ausprobieren und habe alle Merenberger Vereine angeschrieben und um Angebote für diese Woche gebeten. Sieben Vereine haben sich an den Workshops beteiligt. Da war der VdK, der mit den oben erwähnten Übungen mit Rollator und Rollstuhl auf die täglichen Schwierigkeiten von Behinderten aufmerksam machen wollte. Mit dem NABU haben die Kinder Nistkästen gebaut. Aktive aus der Bücherei haben Bücher vorgestellt und vorgelesen. Die Feuerwehr hat ihre unterschiedlichen Fahrzeuge präsentiert. Singen, richtiges Einsingen, Lockerungsübungen und Atemtechniken lernen, Rhythmen nachklatschen konnten die Kinder mit Sandra Gras und Klaus Wolf vom Kinderchor Conely. Wie Robin Hood schließlich fühlten sich die Kinder mit Pfeil und Bogen unter Anleitung von Helfern des Kultur- und Freizeitvereins Allendorf. Überall herrschte Andrang und die sehr unterschiedlichen Übungen machten den Kindern sichtlich Freude. Klaus Schüssler, Jörg Seelbach und Horst Dörr zeigten den Kindern, wie man einen Bogen spannt und dann im richtigen Moment den Pfeil loslässt.

130 Kilometer pro Stunde kann so ein Pfeil erreichen. Die Kinder staunen. Mia Meuser, Lara Dienstbach und Fin Pecher (alle acht Jahre) haben es ausprobiert und waren hin und weg. „Das hat sehr viel Spaß gemacht“, waren sich die drei Kinder einig. „Aber nun spüre ich meine Muskeln im Arm ganz ordentlich und meine Hände tun etwas weh“, sagt Lara nach einigen Versuchen. Fin erzählt stolz: „Ich habe versucht, die Pfeilspitze auf die Mitte der Zielscheibe zu richten und habe sogar einmal genau getroffen“. Karl Knögel, Hilde Jung, Renate Mehr und Madeleine Schäfer vom VdK Barig-Selbenhausen haben mit ihren Übungen versucht, die Sinne der Kinder zu schärfen. Sie mussten Bilder durch Abdeckungen erkennen, Geräusche zuordnen und in eine Fühlkiste greifen. „Ist da auch nichts ekliges drin“, fragt ein Mädchen. „Bitte kein Wurm“, sagt ein anderes. „Irgendwie ist das eine Mutprobe, in etwas reinzugreifen, ohne zu wissen, was drin ist und wie sich das anfühlen wird“, berichtet ein Kind.

Einige Kinder haben bei diesen Übungen ein richtiges Aha-Erlebnis. „Ich habe nie darüber nachgedacht, wie Behinderte so zurechtkommen müssen“, sagt ein Mädchen später. „Ich habe gelernt, mehr auf Behinderte zu achten und ihnen zu helfen“, schlussfolgert ein anderes. „Wir haben hier an der Schule ein Mädchen mit Prothesen. Jetzt kann ich mir noch besser vorstellen, wie schwer manche Wege für sie sein müssen.“ Experiment gelungen, Frau Schneider. Die Kinder hoffen auf eine Wiederholung, und dann unter Beteiligung von noch mehr Vereinen.


Albert Wagner Schule



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